KI-Programme für Übersetzungen in Leichte Sprache

Leichte Sprache erleichtert Menschen mit Lernschwierigkeiten den Zugang zu Informationen. KI-Übersetzungsprogramme können Texte schnell vereinfachen, ersetzen aber nicht die fachliche Expertise. Denn KI-übersetzte Texte müssen gründlich geprüft, angepasst und auf die Zielgruppe abgestimmt werden, um wirklich verständlich zu sein.

Leichte Sprache dient dazu, Menschen mit Lernschwierigkeiten einen barrierefreien Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Dafür müssen Texte nicht nur den einschlägigen Regelwerken der Leichten Sprache entsprechend übersetzt und vereinfacht, sondern auch inhaltlich verständlich und zielgruppengerecht aufbereitet werden. Bislang wurde diese anspruchsvolle und zeitaufwändige Aufgabe vorwiegend von qualifizierten Fachkräften übernommen.

Um das Ziel, die Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu verbessern, schneller und mit weniger Aufwand zu erreichen, gibt es mittlerweile unterschiedlichste KI-Programme zur Übersetzung von Texten in Leichte Sprache. Mit den Fortschritten in der Entwicklung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Large Language Models (LLMs) ergeben sich zunehmend mehr Möglichkeiten, den Übersetzungsprozess durch Automatisierung zu unterstützen. Entsprechende KI-gestützte Übersetzungsprogramme werden bereits auf dem Markt angeboten. Die Versprechen der Anbieter reichen bis zur Aussage, dass sich Leichte Sprache „auf Knopfdruck“ erstellen lässt. 

Öffentliche Stellen verfolgen verstärkt das Ziel, mehr Informationen in Leichter Sprache zur Verfügung zu stellen. Dies wird auch im Hessischen Behindertengleichstellungsgesetz (§12a HessBGG) gefordert. Angesichts der sehr aufwändigen manuellen Übersetzung von Texten in Leichte Sprache und angesichts knapper Ressourcen erscheint der Einsatz von KI-Übersetzungsprogrammen als passgenaue, schnelle und kostengünstige Lösung.

Die derzeit auf dem Markt verfügbaren Produkte können Texte auf Wort- und Satzebene erfassen, unter Anwendung der Regelwerke für Leichte Sprache vereinfachen und damit vollständige Texte in Leichter Sprache erzeugen. Die Bedienung ist einfach, die Texterstellung erfolgt in der Regel in wenigen Sekunden.

Von KI-Tools übersetzte Texte wirken oftmals auf den ersten Blick formal korrekt. Das Erscheinungsbild der generierten Texte, die korrekt erscheinende Einhaltung der gängigen, formalen Regeln und eine meist korrekte Vereinfachung auf Satz- und Wortebene wirken zunächst überzeugend. Damit sieht ein KI-übersetzter Text oft aus wie Leichte Sprache und erfüllt in vielen Fällen auch die Anforderungen der Zielgruppe hinsichtlich der Lesbarkeit. 

Die KI-Übersetzungsprogramme sind bislang nicht in der Lage, den Inhalt eines Textes, dessen Kernbotschaft und den Kontext zu verstehen und die Anforderungen der Zielgruppe zu berücksichtigen. Sie können häufig keine notwendige inhaltliche Reduktion vornehmen, den Text kontextbezogen gliedern oder zielgruppengerecht umsetzen. Zudem ist nicht sichergestellt, dass Defizite beim Vorwissen der Zielgruppe durch passgenaue Erklärungen ausgeglichen werden, da den KI-Übersetzungsprogrammen das Wissen und die Erfahrung um die Bedürfnisse der Zielgruppe fehlt. Das kann auch nur in Grenzen durch ein entsprechendes Prompting (d.h. durch möglichst präzise formulierte Anweisungen an die KI-Programme) ausgeglichen werden.

Das Erreichen einer formalen Regelkonformität darf nicht mit tatsächlicher Verständlichkeit gleichgesetzt werden. Gerade hierin liegt die Gefahr, dass inhaltliche Unklarheiten, fehlender oder fehlerhafter Kontext, unzureichende bzw. irreführende Erklärungen und damit ein Mangel in der Gesamtverständlichkeit der Übersetzungsergebnisse von den Nutzenden der KI-Übersetzungsprogramme nicht erkannt werden. 

Zudem fehlt stets die von den Regelwerken geforderte Prüfung durch entsprechende Prüfgruppen für Leichte Sprache, also durch Menschen mit Lernschwierigkeiten. Erst durch diese Prüfung kann gewährleistet werden, dass ein Text wirklich verständlich ist und damit überhaupt erst seinen Zweck erfüllt.

Wie bei KI-generierten Texten im Allgemeinen ist auch bei KI-übersetzen Texten in Leichte Sprache eine sorgfältige Prüfung und Nachbearbeitung zwingend notwendig. Der zeitliche Aufwand hierfür ist nicht zu unterschätzen. Die Ergebnisse eines Evaluationsprojektes des Hessischen Wirtschaftsministeriums (2025) zeigen zudem, dass es für diese Tätigkeit umfangreicher Fachkenntnisse in der Erstellung von Texten in Leichter Sprache bedarf, um tatsächlich eine Verbesserung der KI-generierten Texte im Hinblick auf zielgruppengerechte Verständlichkeit zu erreichen.

Hinzu kommt: Zentrale Schritte des Übersetzungsprozesses in Leichte Sprache können mit heutigem Stand gar nicht oder nur unzureichend durch KI-Programme abgedeckt werden. Dazu zählen insbesondere die vorgelagerte Klärung der Zielgruppe, die darauf basierende Auswahl und Gewichtung relevanter Inhalte, die Entscheidung über erforderliche inhaltliche Reduktionen sowie die sinnvolle Strukturierung und Gliederung des Textes. 

Auch die Entscheidung darüber, welche zusätzlichen Erläuterungen notwendig sind, um eventuell fehlendes Vorwissen der Zielgruppe auszugleichen, erfordert fachliche Expertise und ein vertieftes Verständnis der Lebensrealität der adressierten Personen. Diese Vor- und Aufbereitung stellt eine zentrale Kernaufgabe dar und ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Übersetzung in Leichte Sprache.

Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen und Einschränkungen kann der Einsatz von KI-Übersetzungsprogrammen dennoch hilfreich sein: als Ideengeber, zur Anfertigung von Teilübersetzungen oder zur Schaffung eines Grundgerüstes, für die Erklärung von Fremd- und Fachwörtern, je nach KI-Programm sogar als Inspirationsquelle für die Bildersuche.

Was aktuell von gängigen KI-Übersetzungsprogrammen erwartet werden kann und unter welchen Bedingungen der Einsatz von KI bei der Erstellung von Texten in Leichter Sprache hilfreich sein kann, ist Gegenstand zahlreicher Einordnungen und Empfehlungen, die in letzter Zeit erschienen sind, u.a.:

  • Fachliche Einordnung von KI-Übersetzungstools für Leichte Sprache, publiziert von der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik BFIT-Bund, Februar 2025: KI-Tools können aktuell keine zielgruppengerechten Übersetzungen in Leichte Sprache gewährleisten. Es wird dringend empfohlen, KI-generierte Texte stets von fachlich qualifizierten Personen nachbearbeiteten sowie von Mitgliedern der Zielgruppe prüfen zu lassen. 

    Die fachliche Einordnung kann hier heruntergeladen werden: 
    https://www.bfit-bund.de/DE/Publikation/Stellungnahme-ki-toolsÖffnet sich in einem neuen Fenster
     
  • Leichte Sprache – Ein Ratgeber zur Arbeit mit Leichter Sprache, herausgegeben vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Mai 2025: In einem separaten Kapitel in Band 2 wird die Notwendigkeit dargelegt, dass KI-generierte Texte stets von fachlich qualifiziertem Personal nachbearbeitet werden sollte. Es werden jedoch auch Praxisbeispiele angeführt, in denen auf umfangreiche Nacharbeiten und Prüfungen verzichtet werden kann. Ausführlich wird zudem darauf eingegangen, wo genau die Stärken und Schwächen von KI-Übersetzungsprogrammen liegen und wie sie unter diesen Umständen bestmöglich eingesetzt werden können.

    Der Ratgeber kann hier heruntergeladen werden:
    https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/Broschueren/a752l-2-ratgeber-zur-arbeit-mit-leichter-sprache.htmlÖffnet sich in einem neuen Fenster
     
  • Kodex für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz für Leichte Sprache, erarbeitet von Fachleuten aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen, publiziert vom Caritasverband der Diözese Limburg e.V., Juni 2025: Bietet umfassende Empfehlungen und Einblicke in die Grundlagen der Leichten Sprache und die spezifischen Probleme und Herausforderungen beim Einsatz von KI-Übersetzungsprogrammen. Zudem werden konkrete Hinweise gegeben, wie und unter welchen Rahmenbedingungen KI-Programme eingesetzt werden können, wo die Grenzen liegen und welche Qualifikationen notwendig sind, um die KI zielführend nutzen zu können.

    Der KI-Kodex kann hier heruntergeladen werden:
    https://www.dicv-limburg.de/derverband/wissenswertes/leichte-sprache/kodex-fuer-ki-gestuetzte-uebersetzungen/kodex-fuer-ki-gestuetzte-uebersetzungenÖffnet sich in einem neuen Fenster

Nach dem derzeitigen Stand lautet die übereinstimmende Empfehlung, KI-Programme als mögliche, unterstützende Werkzeuge zu sehen, die den Übersetzungsprozess erleichtern und beschleunigen können. 

Sie dürfen aber nicht als Werkzeuge verstanden werden, die fertige, zielgruppengerechte und verständliche Texte in Leichter Sprache liefern. 

Die von KI-Programmen erstellten Ergebnisse müssen zwingend von qualifizierten Personen geprüft, fachlich nach- und gegebenenfalls überarbeitet werden. Diese Personen sollten sowohl fundierte Kenntnisse in Leichter Sprache besitzen als auch über weitreichende Kenntnisse im Umgang mit den jeweiligen KI-Programmen verfügen, um deren spezifische Defizite zu kennen. 

Zudem ist die Einbindung der Zielgruppe, also Menschen mit Lernschwierigkeiten, unverzichtbar, um die Verständlichkeit sicherzustellen und qualitativ hochwertige Texte bereitstellen zu können. Dies gilt nicht nur für die Prüfung von Texten in Leichter Sprache, sondern auch für die Entwicklung und Weiterentwicklung von KI-Übersetzungsprogrammen.

Aufgrund der laufenden Weiterentwicklungen im Bereich der KI und der häufigen Veröffentlichungen von neuen Versionen der unterschiedlichen KI-Übersetzungsprogramme muss die Leistungsfähigkeit dieser Werkzeuge laufend evaluiert werden. 

So können bei spürbaren Qualitätsverbesserungen die zu erwartenden technischen Fortschritte zeitnah genutzt werden. Das ist wichtig, um das Ziel, Leichte Sprache stärker einzusetzen, Teilhabe zu fördern und damit den Alltag von Menschen mit Lernschwierigkeiten deutlich zu erleichtern, auf breiterer Basis erfüllen zu können.